Marokko – Ein Land das polarisiert

Mit dem VW Bus durch Marokko

Nimmt uns dieses Land genau so gefangen und warum zieht es so viele Menschen nach Marokko? Dieser Frage widmen wir uns intensiv und tauchen nun gemeinsam auf unserem Roadtrip in das kleine Land aus dem Orient ein.

Gespaltene Gefühle

Bis jetzt rief auf unserer Weltreise kein Land so gespaltene Gefühle in uns hervor, wie Marokko. Aber woran liegt das? Internet-Blogs und Berichte erzählen von einem Gefühl aus „Tausend und einer Nacht“, von der unheimlichen Gastfreundschaft der Marokkaner und dem stets sicheren Gefühl bei Reisen durch das Land. Die Menschen scheinen von diesem kleinen Land im Nordwesten Afrikas begeistert zu sein.

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Ankunft in Marokko

Blicken wir zurück auf den 18.01.2019. An diesem Tag setzen wir mit unserem VW Bus mit der 2-stündigen Fähre von Algeciras (Spanien) nach Tanger Med (Marokko) über und betreten das erste Mal den afrikanischen Kontinent. Ein interessantes Gefühl, da uns die afrikanische Mentalität bis dato völlig unbekannt war. Ziemlich schnell wird uns klar, hier geht es anders zu. Die Menschen wimmeln durch die Dörfer und kleinen Lehmgassen. Selbst die Kinder kennen keine Scheu. Gekonnt springen sie kreischend auf unseren Reserveradträger und fahren ein paar Meter über die holprige Straße mit uns mit. Die typisch afrikanische rote Erde leuchtet uns auf den Wegen entgegen und wir bewundern die stets traditionellen, langen Gewänder der Einheimischen.

Spontan sind wir ja immer und ohne feste Route sowieso. Aber wohin denn nur? Nach einer kurzen Diskussion, ob über die Berge oder am Ozean entlang, gewinnt der Atlantik. Und wir werden belohnt! Noch nie zuvor haben wir so weitläufige Strände bestaunt. Auch Jago ist verzückt und tollt durch den weichen, rötlich schimmernden Sand. Nach einer kräftigen Regennacht, die eher an einen Monsun erinnert, wollen wir wieder der Sonne hinterher jagen. Als Benny sich auf den Fahrersitz setzt, verzieht er das Gesicht zu einer undefinierbaren Grimasse. „Was hat er nur?“, denkt sich Tanja. Er steht auf und bringt sein nass triefendes Hinterteil zur Geltung. Uups, die Regenflut entleerte sich wohl durch die Befestigungspunkte der Gepäckwanne auf dem Dach in unser Fahrerhaus. Das gute Dichtklebeband muss herhalten und wir brechen auf, denn Sonne muss jetzt her!

Marokko und die Marokkaner

Nach zwei weiteren Tagen erreichen wir das Landesinnere. Abseits der Touristenwege lernen wir die Marokkaner etwas näher kennen. Die Verständigung endet eher in wildes Arme fuchteln und Gestikulieren und dem Versuch das Schul-Französisch aus den hinteren Gehirnzellen zu kramen. Ihr lacht sicher, aber wenigsten schaffen wir einen Gute-Laune-Kaffee zu bestellen und einen Small-Talk zu halten. Was ein Gute-Laune-Kaffee ist? Fragt Tanja einfach mal, wenn sie morgens noch keinen hatte.

Das wilde Marrakesch

In Marrakesch angekommen, steht natürlich der Besuch der großen Medina an. Selbstverständlich verlaufen wir uns in dem endlos scheinenden Gewirr von kleinen Shops und Ständen. Gewürz-, Kleider- und Leder Souks benebeln unsere Wahrnehmung. Wir werden von einer unzähligen Anzahl verschiedenster Stände, die alles Feil bieten, was sich das Herz nur wünscht, verschlungen. Nach einer gefühlter Ewigkeit und kleinen Reizüberflutung unserer Sinnesorgane, erreichen wir wieder den Gauklerplatz. Nach einem super leckerem Abendessen verabschieden wir uns vom bunten Marrakesch.

Von dort geht es über das Hohe Atlasgebirge in den Süden Marokkos. Während wir durch die bizarren und eindrucksvollen Landschaften streifen, dringen uns immer wieder Worte wie „Stylo, Bonbons, Dirham“ ans Ohr, eingeleitet von einem freundlichen Winken und einem „Bonjour Madame, Bonjour Monsieur“. Wir wundern uns, warum eine freundliche Begrüßung sogleich eine Aufforderung zum Geben beinhaltet. Überall möchte man etwas von uns haben.

Die fleißigen Marokkaner

Wir werden sogar nach Hause eingeladen mit dem großzügigen Angebot, die schönen Antiquitäten dort zu besichtigen und besser noch, zu kaufen. Der Marokkaner bringt uns in der Tat eine große Gastfreundschaft entgegen, versetzt diese allerdings raffiniert mit einem ausgeprägten Sinn für Geschäftstätigkeit. Fleißig sind sie allemal, auch die Soldaten an den Checkpoints in der Nähe der algerischen Grenze. Kommt die Frage nach einem Geschenk, während er unsere Pässe kontrolliert und der Schlagbaum uns noch den weg versperrt, doch etwas unerwartet.

Ein irritierendes Gefühl, da wir mit konstanter Fragerei nach Geschenken, Geld und Zigaretten bisher wenig Berührung hatten. Aber aus welchem Antrieb betteln so viele in Marokko? Ist es die Armut oder eine Lebenseinstellung oder sogar anerzogen? Wir beobachten Touristen die ihre Autos mit Geschenken, Stiften usw voll laden und freudig wie auf dem Karneval unter den Einheimischen verteilen. Als wir dies beobachten, wundert uns das Verhalten der Marokkaner weniger als das der Europäer. Wir stellen uns die Frage, ob dies ein guter Weg in eine gesunde Zukunft Marokkos ist?

Mit dem Van durch die Wüsten von Marokko

Die Sahara, ein für uns Menschen lebensfeindliches Gebiet, welches doch so faszinierend und verlockend ist. Jedes Jahr werden Tausende in den Bann dieser trockenen Einöde gezogen. In Marokko bedeckt die Sahara circa 20% des Landes. Eine der faszinierenden Wüsten befindet sich im Süden an der algerischen Grenze, die Erg Chegaga Wüste. Bis zu 100 Meter hohe Sanddünen türmen sich und dazwischen blitzen saftig grüne Oasen hervor.

Eine Wüste eigenständig mit dem eigenen Fahrzeug, wir mit unserem VW Bus, zu durchqueren beschert einen ganz besonderen Reiz. Ein bisschen Planung und die richtige Ausrüstung gehören dazu, um nicht in Notlagen zu geraten oder anderen und sich zu helfen. Unsere geplante Route unterteilt sich auf den ca. 250 Streckenkilometer in Stein-, Fels-, und Sandwüste. In Zagora, der letzten etwas größeren Stadt vor der Wüste füllen wir Lebensmittel, Diesel und Süßwasser auf.

Wasserversorgung in der Wüste

Die Wasserversorgung in und entlang der Wüste ist aufgrund des Salzgehaltes im Wasser recht schwierig. Wir haben einen Wasservorrat von 130 Litern und können mittels eines Marine-Filtersystems fast alles, Salzwasser ausgeschlossen, zu Trinkwasserqualität filtern. Deshalb sind auch wir auf die Süßwasserversorgung angewiesen und müssen rationieren und Notfallreserven einplanen.

Dünensurfen und campen in der Wüste Marokkos

Die abenteuerliche Fahrt beginnt mit einem mäßigen Sandsturm. Um die Reifenauflagefläche zu erhöhen lassen wir den Reifenluftdruck ab. Einen Druckluftkompressor zur Reifenbefüllung ist Bestandteil unserer Ausrüstung. Mit Adrenalin im Blut geht es auf die Piste. Es fühlt sich ein wenig wie Achterbahn fahren an, nur etwas schwammiger und macht verdammt viel Spaß! Nach ein paar Stunden Dünensurfen lassen wir die Tage in der endlos scheinenden Sandlandschaft ausklingen.

Stille macht sich breit und wir sind umgeben von Sand. Doch einsam ist es nicht. Dromedar-Karawanen mit dickbäuchigen, weiß leuchtenden Touristen schwanken vorbei. Aus den Wüstencamps stapfen vereinzelt die Touristen durch den Sand, die wie wild jedes ach so kleine Sandkorn fotografieren oder mit Snowboards bewaffnet die Dünenhänge hinunter purzeln. Einen kurzen Videozusammenschnitt findest du auf diesem Link .

Traumhafte Landschaften Morokkos und das andere Etwas

Die wunderschönen Landschaften verzücken aus der Ferne und die Strände sind grandios. Leider zerstört der herum liegende Müll das Bild. Marokko war einmal das „Land der Plastiktüten“. Mittlerweile sind diese verboten und Supermärkte und Händler geben nur noch Papiertüten aus. Ein ziemlich fortschrittliches Denken, und dennoch ein bisschen kontrovers.

Und warum?

Nun, bei der Müllentsorgung scheiden sich die Geister. Die Hänge hinter den kleinen Häuschen werden als persönliche Mülldeponie betrachtet und ob wir am Strand barfuß gehen möchten, überlegen wir uns zweimal. Doch beobachten wir auch genügend Touristen, die diese Handhabung als Einladung ansehen und ebenfalls ihre Abfälle in der Natur entsorgen. Schade, dass Mutter Erde so verunstaltet wird, und das sich verbreitende Aroma einer Mülldeponie, müssen wir hier sicher niemandem beschreiben. Wir versuchen es trotzdem positiv zu sehen und freuen uns über jeden Fleck, der noch natürlich ist.

Umso weiter wir gen Süden fahren, liegt zu unserer Freude immer weniger Unrat herum und es wird einsamer. Aber wer denkt er sei weit und breit alleine, der wäre überrascht, wie lebendig die Sahara ist. Ein Ziegenhirte zieht plötzlich mit seinen hunderten Ziegen vorbei, eine Karawane taucht aus dem Nichts auf oder ein schlacksiger Herumirrender steht auf einmal hinter dir, irgendjemand kommt immer daher.

Würden wir wieder mit unserem VW Bus in Marokko überwintern?

Ja, obwohl Marokko definitiv nicht unser Lieblingsreiseland ist. Aber dennoch fasziniert es uns mit seinen hunderten Oasen und dem saftigen Grün im Norden am Atlantik. Auch das Klima ist zum Überwintern hervorragend. Das Thermometer zeigt durchweg zwischen 25-30 Grad Celsius und nur vereinzelt regnet es. Was möchte man mehr?

Letztlich bleibt für uns: Marokko polarisiert. Eine interessante Erfahrung, die auf unserer Weltreise bestimmt nicht die letzte sein wird.

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2 Antworten auf „Marokko – Ein Land das polarisiert“

  1. Vielen Dank für Eure wunderschönen Bilder und Berichte von Eurem Bus-Ausbau und Eurer Marokkoreise! Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute und schöne Erlebnisse! Eure Rentner vom Berchida Strand, waren gerade wieder dort!Utta und Tilo

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